Therapie im Familiensystem

Therapie kann einem Kind helfen, Belastungen auszudrücken, Gefühle zu regulieren und Sicherheit zu gewinnen. In hochstrittigen Trennungskontexten steht das Kind jedoch nicht außerhalb seines Familiensystems. Die Wirkung der Therapie hängt deshalb auch davon ab, welche Informationen einfließen, welche Fragen gestellt werden und in welche Beziehungen das Kind nach jeder Sitzung zurückkehrt.

Das Symptom behandeln – den Kontext mitdenken

Wenn eine Therapie ausschließlich an Angst, Wut oder Ablehnung des Kindes arbeitet, ohne den Entstehungs- und Beziehungskontext angemessen zu verstehen, kann sie unbeabsichtigt nur den sichtbaren Zustand bearbeiten. Eine Verbesserung im Therapieraum verändert nicht automatisch die Erwartungen, Konflikte oder Erzählungen außerhalb dieses Raums.

Das bedeutet nicht, Therapie grundsätzlich infrage zu stellen. Es bedeutet, Auftrag, Informationsbasis, Rollen und Grenzen transparent zu machen. Therapeutische Unterstützung, familiengerichtliche Begutachtung und Beweiswürdigung sind unterschiedliche Aufgaben und dürfen nicht stillschweigend miteinander vermischt werden.

Sinnvolle Qualitätsfragen

  • Wer hat die Unterstützung mit welcher Fragestellung veranlasst?
  • Welche Informationen stammen aus eigener Beobachtung, welche aus Berichten Beteiligter?
  • Werden alternative Erklärungen und der Beziehungskontext berücksichtigt?
  • Ist für Kind und Erwachsene klar, was vertraulich bleibt und was weitergegeben werden kann?
  • Wie wird verhindert, dass das Kind zum Träger einer bereits festgelegten Erwachsenenerzählung wird?